Morgen, am 3. Oktober 2006, ist er mal wieder. Der ungeliebte Nationalfeiertag der Deutschen, bezeichnenderweise pünktlich zum Herbstbeginn und somit auch in diesem Jahr wohl wieder schön grau, verregnet und trist. Während Nationen wie Frankreich (14. Juli) oder die USA (4.Juli) den lichten Sommer gewählt haben, zieht man hierzulande einen Termin vor, der klarmacht, warum so mancher Rilkes "Herbsttag " für die heimliche Nationalhymne hält.
Der soeben seinen letzten Atem verhauchende Sommer war ja weitestgehend geprägt von einem Phänomen, das in den Feuilletons und andernorts gerne als "entspannter Patriotismus" umschrieben wurde. Wobei die Deutschen wohl kaum die Deutschen wären, wenn sie nicht auch den Auftrag "weltoffener Nationalstolz" voller Pflichtschuldigkeit und daher zwar gründlich und für viele andere Völker erstaunlich, aber leider keineswegs selbstverständlich und charmant ausführen würden.
Was nun von der fähnchenschwenkenden Seligkeit und dem angeblich neuen Verhältnis zur Fahne drei Monate später noch übrig geblieben ist, wird sich morgen ja zeigen. Ich vermute mal, nicht viel. Wahrscheinlich gibt es tatsächlich ein paar Dutzend Einheimische, die sich nach einer Verlängerung des beruhigenden Gefühls des Aufgehens in einer anonymen schwarz-rot-goldenen Masse sehnen und in der Tat wird man vielleicht ein oder zwei Fähnchen mehr im Herbstwind flattern sehen, was Organe wie "Bild" und Konsorten sicher bereitwillig zum Anlass nehmen werden, erneut etwas vom "neuen Denken" zu faseln.
Ansonsten aber wird auch dieser Tag der deutschen Einheit sicher wieder mit der traditionellen Feierunlust des Germanen begangen, die stets Betrunkenheit und Bierseligkeit mit Leidenschaft und Begeisterung zu verwechseln neigt. Im schlimmsten Fall bekommen ein paar nicht ganz so arisch aussehende Mitmenschen zu spüren, daß die "neue Weltoffenheit" nicht ganzjährig gilt, sondern nur, wenn die Welt offiziell zu Gast bei Freunden ist. Bitte immer rechtzeitig vorher anmelden.
Für eine echte Begeisterung fehlt schlicht der passende Anlass. Denn obwohl die Vereinigung der beiden ehemals getrennten deutschen Staaten unaufhaltsam voranschreitet, sieht wohl kaum jemand darin einen Grund, in allzu große Euphorie auszubrechen. Brechts "Erst kommt das Fressen und dann die Moral" hat auch heute noch größtmögliche Gültigkeit. Und mit dem Fressen, sprich dem Betrag auf dem monatlichen Gehaltsscheck, sieht es vielerorts eben auch nicht gerade rosig aus. Ein letztlich von den hierzulande gleichermaßen bewunderten wie verachteten Südländern kopiertes Nationalgefühl hilft da freilich wenig.
In diesem Sinne: Einigkeit und Recht und Freiheit. Aber an 365 Tagen im Jahr. Scheiß auf den 3. Oktober. Danke.
Gute Neuigkeiten für alle meine Mütter und Väter!
Vor 3 Jahren
ja man schaiss auf die deutschen katoffelns....
AntwortenLöschenwedding44... in deinen bauch du mudda
wedding65, wenn schon...hehehe.
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