Nachdem ich gestern abend den wie erwartet recht kurzweiligen neuesten Streich von Sacha "Ali G" Cohen, "Borat", gesehen habe, frage ich mich ernsthaft, wieso in aller Welt sich die Republik Kasachstan durch diesen Film beleidigt fühlt. Wenn überhaupt, müssten sich die Amerikaner (oder präziser: Die Bürger der USA) verunglimpft vorkommen, allerdings unter tatkräftiger Mithilfe ihrer eigenen Landsleute. Und eigentlich nicht verunglimpft, sondern entlarvt.
Die Kasachen in "Borat" sind erstens nicht echt und zweitens so stark überzeichnet, daß sie drittens ohne Schwierigkeiten als Spiegelbild westlicher Klischeevorstellungen erkennbar sind. Die Amis dagegen sind unfreiwillige Laiendarsteller und somit leider vollkommen real: Der Hillbilly auf der Rodeoveranstaltung, der am liebsten alle Muslime am Galgen hängen sehen würde, die Verbindungsstudenten, die Frauen als minderwertig erachten und die Sklaverei wieder einführen wollen, die New Yorker Passanten, die mit schier unglaublicher Aggressivität und Angst auf Borats harmlos-trottelige Annäherungsversuche reagieren. "My fuckin name is mind-your-own-business, man!"
Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat soeben festgestellt, daß rechtsradikale Ansichten in Deutschland keineswegs eine Randerscheinung sind, sondern im Herzen der Gesellschaft ihren festen Platz haben - eine Tatsache, die nebenbei jeder wissen konnte, der einmal etwas genauer hingehört hat, wenn sich zwei Rentner in der U-Bahn unterhalten. Wie man "Borat" entnehmen kann, handelt es sich dabei ganz offensichtlich um ein globales Phänomen.
Gute Neuigkeiten für alle meine Mütter und Väter!
Vor 3 Jahren


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