Montag, 15. Januar 2007

Vorfahrt für Rudi Dutschke

Nächsten Sonntagwird es ernst: Die Kreuzberger CDU will den Beschluss der Bezirksverordneten-Versammlung (BVV), einen Teil der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umzubenennen, per Bürgerentscheid kippen. In einem dem Abstimmungsformular beigefügten Schreiben entlarvt die Splitterpartei (11,1 Prozent bei der Bundestagswahl 2005) ihre argumentative Schwäche in dratischer Weise. Der durchweg reißerische, in unangenehmer Weise ans Unterschichtenfernsehen gemahnende Tonfall legt die Vermutung nahe, man habe sich beim Verfassen vom ebenfalls in der bisherigen Kochstraße ansässigen Springer-Konzern helfen lassen.

Die beiden schönsten Stilblüten sind: "Es gibt bereits (...) ein Rudi-Dutschke-Haus (in dem die Zeitung "taz" ihren Sitz hat und die die Idee zur Umbenennung hatte)". Ich fordere hiermit dringend einen Sprachtest für CDU-Mitglieder. Fast noch besser gefällt mir aber der folgende Satz: "Helfen Sie den Anwohnern der Kochstraße, denn Ihre Straße könnte die nächste sein!" In Sachen Panikmache hatte die CDU ja schon seit jeher ein glückliches Händchen. Ernstzunehmende Argumente sucht man dagegen leider vergebens, hauptsächlich wird versucht, mit dem ebenfalls zur Angsteinflößung geeigneten Damoklesschwert der entstehenden Kosten zu drohen. Diese belaufen sich nach Schätzung des Bezirksamtes übrigens auf etwa 180 Euro Montagekosten plus ca. 58 Euro für jedes Namenschild sowie 26 Euro für jeden nicht wiederverwendbaren Schilderrahmen. Wahrlich - das können wir uns niemals leisten.

Somit ist wohl klar, wie die Entscheidung nächsten Sonntag nur lauten kann: Ein klares "NEIN" zum Antrag der CDU, die Umbenennung zurückzunehmen. Dann kann man schon bald auf der Rudi-Dutschke-Straße dahinbrausen und die wohlverdiente Vorfahrt gegenüber den Verkehrsteilnehmern aus der kreuzenden Axel-Springer-Straße genießen - späte Rache an Deutschlands beliebtesten Volksverhetzer.


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