Donnerstag, 1. März 2007

Die Gedanken sind frei?

Die deutsche Politik und augenscheinlich auch ein Großteil der restlichen Öffentlichkeit ist sich einig: Mit seiner Kritik am Kapitalismus am Rande der Rosa-Luxemburg-Konferenz im Januar hat sich der Ex-RAF-Terrorist Christian Klar seine Chancen auf eine Begnadigung natürlich vermasselt. Sehr verständlich. Wozu sperrt man den Mann denn auch 26 Jahre lang ein, wenn man es dadurch nicht einmal schafft, seine Gesinnung zu brechen? War er etwa nicht lange genug in Einzelhaft?

Eine Frechheit. Wie kann der Mann es wagen, Kritik am Kapitalismus zu äußern? Eine solche Uverschämtheit und Respektlosigkeit vor den weltweiten Ausbeutern oder vielmehr Wohltätern ist doch sicherlich nicht durch die im Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit abgedeckt. Das wäre ja noch schöner! Am Ende kommt wohl auch noch jemand auf die absurde Idee zu behaupten, Christian Klar säße gar nicht wegen seiner Überzeugungen und Meinungen im Gefängnis, sondern womöglich wegen seiner Beteiligung an terroristischen Anschlägen. Nicht auszudenken. Statt derart miesepetrig an den herrschenden Verhältnissen rumzumosern, wäre er gut beraten, sich zu freuen, daß es ihm nicht wie der seligen Rosa Luxemburg ("Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden", sic!) erging. Das Schweinesystem war ihm doch vergleichweise gnädig. Ein wenig Dankbarkeit ist da ja wohl nicht zu viel erwartet.

Allerdings sollten auch die Herren Beckstein und Co nicht die wahren, viel gefährlicheren Feinde des Kapitalismus vergessen: Ackermann, Hartz und deren Helfershelfer beziehungsweise guten Freunde bei Siemens, Schering, Airbus, Volkswagen etc.. Diese Herren werden wohl viel eher die Totengräber der naturgemäß alternativlosen und nicht kritisierbaren Wirtschaftsordnung sein als ein Mann, der seit bald 30 Jahren im Knast sitzt. Capitalism will eat itself.

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